Diese Seite möchte Sie über aktuelle und zukünftige Forschungsprojekte informieren, in denen die transkranielle Gleichstromstimulation evaluiert wird.

AKTUELLE PROJEKTE

SHT-tDCS

In diesem Projekt wird die Wirkung von transkranieller Gleichstromstimulation (tDCS) auf die Sprache von Menschen mit Aphasie überprüft. In bisherigen Studien hat tDCS bei Aphasie nach Schlaganfall die Wirkung von zeitgleich stattfindender Sprachtherapie verstärken können. In diesem aktuellen Projekt soll nun evaluiert werden, ob auch die Aphasie nach einem Schädelhirntrauma von tDCS profitieren kann. Im Zeitraum vom 01.01.2019 – 31.12.2019 werden 48 PatientInnen mit chronifizierter Aphasie nach Schädelhirntrauma gesucht, die in einem Zeitraum von 2 Wochen ambulant werktäglich 1 Stunde Sprachtherapie mit tDCS bekommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Die ambulante Therapie findet an der Universität Greifswald, den Beelitz Heilstätten und dem Zentrum für ambulante Rehabilitation Berlin statt. Bei PatientInnen aus anderen Städten, die teilnehmen möchten, können Kosten für Anreise und Unterkunft leider nicht erstattet werden. Die Studie wird finanziert von der ZNS-Hannelore Kohl Stiftung und unter Leitung von Prof´in Agnes Flöel durchgeführt. Sind Sie interessiert? Dann melden Sie sich gern unter: Stromgegensprachlosigkeit@gmail.com oder telefonisch unter: +49 (0)151/158 281 18

Nachfolgend ein Interview zu dieser Studie, das dem Bundesverband der Selbsthilfegruppen Aphasie gegeben worden ist:

Gleichstromstimulation bei Aphasie „Die Sprache ist eine der höchsten Kulturleistungen des Menschen“, stellte schon Nitsche fest. Umso schwer wiegt der Verlust der Sprache. Deshalb sucht die Forschung nach Möglichkeiten, das Rehabilitationspotential voll auszuschöpfen. Eine dieser Möglichkeiten, mit der die logopädische Therapie vermutlich in ihrer Wirksamkeit gesteigert werden könnte, ist die Gleichstromstimulation. Wir haben mit Robert Darkow, Forscher an der Charité Berlin und Leiter des logopädischen Instituts in Graz, über diese Therapieform gesprochen.

„Herr Darkow, was ist Gleichstromstimulation“: Die Gleichstromstimulation (auf englisch kurz tDCS) ist ein Verfahren, im dem ein schwacher Strom über Elektroden in den Kopf geleitet wird. Das klingt gefährlicher, als es ist: Als Nebenwirkungen können Kitzeln, Brennen, Jucken oder Hautrötungen auftreten. Und wegen der nassen Elektroden, die verwendet werden, leidet auch die Frisur.

Wozu das Ganze? Dieser Strom scheint das Gehirn anzuregen, neue Verbindungen aufzubauen. Und gerade diese Verbindungen sind essentiell: Sie speichern unser Wissen und unsere Fähigkeiten. In einer zunehmenden Anzahl von Studien zum Einfluss von tDCS auf Aphasie konnte gezeigt, dass Logopädie und tDCS zusammen die Sprache stärker verbessern, als Logopädie allein.

Also ein Wundermittel? Leider nein! Die anstrengenden logopädischen Übungen sind weiterhin absolut notwendig, tDCS ohne Sprachübungen verbessert die Sprache nicht. Und es gibt auch immer wieder Fälle, in denen auch mit tDCS keine Verbesserung erzielt werden kann. Aber im Durchschnitt lernen die PatientInnen mehr und schneller, wenn sie tDCS bekommen haben. Wir sprechen hier über eine ca. 10-30%ige Wirksamkeitssteigerung. Wenn man bedenkt, wie hart teilweise jedes Wort erkämpft werden muss, ist das nicht schlecht…

Ist das eine allgemein zugelassene Behandlungsmethode? Nein. Auch wenn die Geräte zugelassen sind, für einen Einsatz im klinischen Alltag ist die Datenlage noch zu unklar, es gibt einfach zu viele Variablen. Aber über eine Teilnahme an Forschungsprojekten, z.B. an Universitäten, kann man versuchen, diese Behandlung zu bekommen. Die dort durchgeführten Studien wären dann in Zukunft die Grundlage, tDCS im Alltag zu etablieren. Vorausgesetzt, die Ergebnisse bieten das an.

Sie führen gerade eine Studie dazu durch? Tatsächlich startet am 01.01.2019 ein Projekt, in dem wir schauen, ob Aphasie aufgrund eines Unfalls, eines sogenannten Traumas, durch tDCS verbessert wird. Die Studie findet in Greifswald, Berlin und Beelitz bei Berlin statt und wird von der Hannelore-Kohl-Stiftung finanziert. Die Teilnahme ist kostenlos, Kosten für Unterbringung und Anfahrt müssen aber selbst getragen werden. Die Teilnehmer bekommen zwei Wochen Logopädie, entweder mit oder ohne Strom, eine gründliche Diagnostik und in einigen Fällen auch eine Untersuchung mit dem MRT.

Wer kann sich melden? Alle Menschen, die eine Aphasie nach einem Unfall, Sturz etc haben. Sollte ein Schlaganfall zur Aphasie geführt haben, können wir leider keine Teilnahme anbieten (da können wir leider auch keine Ausnahme machen). Für Fragen stehen wir gern unter den angegebenen Kontaktmöglichkeiten zur Verfügung. Wir besprechen dann individuell, wie und ob eine Teilnahme möglich ist.

Studiendesign

EINSCHLUSSKRITERIEN: Aphasie nach SHT (>6 Monate nach Akutereignis), AAT Spontansprachskala KOM<0, Alter 18-18 Jahre, Rechtshändigkeit vor der Erkrankung, Erste Muttersprache Deutsch, Gesichtsfelddefekt max 20%, bestehende Krankenversicherung

AUSSCHLUSSKRITERIEN: Diagnose einer Demenz o.a. chronisch degenerativen ZNS-Erkrankungen, schwer apraktische Sprache, chronische Einnahme primär ZNS-wirksamer Medikamente, Teilnahme an einer Interventionsstudie, Aktive Tumorerkrankung

STUDIENABLAUF: Vor Einschluss in die Studie wird eine neurologische, neuropsychologische, linguistische Eingangsuntersuchung durchgeführt. In Greifswald wird zusätzlich eine MRT-Untersuchung durchgeführt. Die anschließende Intervention findet an 8 konsekutiven Werktagen statt. Zusätzlich zum logopädischen Benenntraining (mit freundlicher Unterstützung von aphasiaware.de) wird ein schwacher Gleichstrom über 20 Minuten oder 30 Sekunden appliziert. Nach der Intervention und nach 6 Monaten wird evaluiert, ob sich durch die Stromstimulation eine Wirksamkeitssteigerung der Benenntherapie ergibt. Darüber hinaus wird der Einfluss der Stromstimulation auf die Alltagskommunikation erhoben.

GEFÄHRDUNG: Das Vorgehen liegt zur Begutachtung den Ethikkommissionnen der beteiligten Institute vor. Die verwendeten Stimulationsgeräte sind geprüft, zugelassen und CE-Zertifiziert. Es wird eine ProbandInnen- und Wegeunfallversicherung abgeschlossen. Nebenwirkungen, die unter Gleichstromstimulation erwartet werden: Juckreiz, Kribbeln, Kopfschmerz, Brennen, Hautötung.

DURCHFÜHRUNG: 1) Agnes Flöel, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Universitätsmedizin Greifswald 2) Anna Gorsler, Torsten Rackoll, Neurologische Rehabilitationsklinik Beelitz-Heilstätten, Kliniken Beelitz GmbH 3) Robert Darkow, Charité Universitätsmedizin Berlin und FH Joanneum, Graz 4) Martin Ebinger, Medical Park Humboldtmühle, Berlin 5) Stephan Bamborschke, Zentrum für Post-Akute Neurorehabilitation, Fürst Donnersmarck-Stiftung, Berlin 6) Diethard Steube, Zentrum für ambulante Rehabilitation Berlin Gartenstraße GmbH

 

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